Luftdichtigkeit - Winddichtigkeit bei unbelüfteten Steildächern

Hier möchten wir zwei wichtige Begriffe im Bereich der Steildachdämmung klären, da diese häufig verwechselt werden. Es handelt sich dabei um "luftdicht" und "winddicht".

Luftdichtigkeit (Quer durch die Dämmschicht)

Bei der Luftdichtigkeit geht es um den Luftaustausch quer zur Dämmschicht. Dabei entweicht warme Luft von innen nach außen. Mit dieser Luft gehen große Mengen Energie verloren. Das Entweichen der Luft findet über Leckagen in der Konstruktion bzw. beim Einbau der Dämmung selbst statt. In der kalten Jahreszeit verschärft sich das Problem oft noch, da die außströmmende Luft relativ hohe Anteile an Feuchtigkeit mit sich führt, und aufgrund der niedrigen äußeren Temperaturen ein Teil der Feuchtigkeit kondensiert und sich in der Dämmung niederschlägt. Häufig kommt es daneben zusätzlich noch zum Eindringen von Feuchtigkeit über die Leckagen von außen. Leckagen treten zumeist im Bereich von Dachdurchbrüchen wie etwa Schornstein, Entlüftungsrohren oder Antennendurchführungen oder aber an den Stößen der Unterspannbahnen bzw. Dampfbremsfolien auf. Gerade diese Stellen erfordern deshalb besonderes Augenmerk.

Fehlende Luftdichtigkeit:
Bei der Luftdichtigkeit geht es darum, die Strömung warmer Raumluft oder kalter Außenluft quer durch die Dämmung hindurch zu verhindern. Durch Luftlecks verursachte Luftbewegungen von innen nach außen zum Beispiel führen zu deutlichen Energieverlusten und bergen das Risiko der Tauwasserbildung.

Winddichtigkeit (längs zur Dämmschicht)

Die Winddichtigkeit beschreibt die Luftbewegung, die von außen an/in der Dämmung lang strömt und dann wieder nach außen außtritt. Durch diese Luftzirkulation wird die Dachhaut ausgekühlt, was gleichzeitig einen Wärmeverlust bedeutet. Im Gegensatz zur fehlenden Luftdichheit führt eine fehlende Winddichtheit aber nicht zu Bauschäden. In der DIN 4108 ist die belüftete Steildachdämmung immer noch als Standard beschrieben. Diese baut aber gerade darauf auf , das die Dämmschicht von Luft hinterströmt wird um anfallende Kondensfeuchtigkeit abzutragen. Da mit der aktuellen EnergieEinsparVerordnung (EnEV) aber gerade auf eine weitere Einsparung von Energie hingewirkt wird, gewinnt die winddichte Konstruktion immer mehr Bedeutung. Sie stellt aber gleichzeitig andere Ansprüche an die Konstruktion bzw. die eingesetzten Materialien. Dabei muß zur Rauminnenseite ein Feuchtigkeitsbremse, etwa eine Dampfbremsfolie, eingesetzt werden, auch die Anschlüsse an Durchführungen und Wänden müssen luftdicht ausgefürt werden. Darauf folgt eine Feuchtigkeits unempfindliche Dämmung und darauf eine nach außen hin offene Unterspannbahn, die aber gleichzeitig die von außen, durch die eigentlich Dachhaut, tretende Feuchtigkeit abträgt.

Nicht belüftetet Konstruktion:
Durch Winddichtigkeit soll verhindert werden, dass Wind von außen eindringt und den gedämmten Bereich einer Außenkonstrution mehr oder weniger ungehindert durchströmmt. Der Luftstrom verläuft dabei meist durch die Dämmschicht oder parallel dazu. Fehlende Winddichtigkeit verursacht bei sachgemäßem Einbau der Wärmedämmung Energieverlust in nur geringem Umfang.

Unsachgemäßer Dämmstoffeinbau:
Sehr hohe Energieverluste können entstehen, wenn bei fehlender Winddichtheit die Dämmstoffplatten im Sparrenzwischenraum nicht dicht gestoßen sind oder wenn die Dampfsperre nicht dich am Dämmstoff anliegt.

Fazit: zwei verschiedene Paar Schuhe

Die Luftdichtheit verhindert die Strömung warmer Raumluft von innen nach außen oder das Eindringen kalter Außenluft in den Innenraum - und zwar quer durch die Dämmung hindurch. Sie muss gemäß den Anforderungen der DIN V 4108-7 bei jedem Gebäude erreicht werden. Ist keine Luftdichheit hergestellt, steigen die Energieverluste und darüber hinaus besteht die Gefahr von Tauwasserbildung - mit Folgeschäden für die gesamte Konstruktion. Die Winddichtheit wird oft mit der Luftdichtheit gleichgesetzt - sie bezeichnet aber ein völlig anderes Problem. Die Winddichtheit soll verhindern, dass Wind von außen in die Konstruktion eindringt und die Dämmschicht in Längsrichtung durchströmt. Sie ist in bestimmten Fällen durchaus sinnvoll, wird jedoch weder in den DIN-Normen noch in der EnEV 2000 zwingend vorgeschrieben. Eine Konstruktion, die beide Prinzipien vereint, wäre unter dem Gesichtspunkt der Energieeinsparung natürlich optimal. Für das Steildach würde dies bedeuten: eine vollgedämmte Konstruktion mit luftdicht verklebter Dampfsperre innen und winddicht verklebter Unterdeckbahn außen

Hier noch eine kurze Beschreibung der belüfteten Steildachdämmung:
Belüftetet Steildachkonstruktion:
Bei der belüfteten Steildachkonstruktion, die nach wie vor in der DIN4108 als Standard aufgeführt ist, würde eine winddichte Verklebung aller Anschlüsse und Überlappungen keinen Sinn machen. Denn dort geht es ja gerade darum, das die Luft aus der Konstruktion entweichen kann.